Sirrah - kurz gefasst

Sirrah ist eine braune Warmblutmixstute -  mittlerweile 26 Jahre alt -, die wir aus einer Traberstute gezogen haben. Sirrah hat eine chronische Lungenerkrankung, eine COPD oder COB.  Im Alter von knapp 1 Jahr fing sie sich einen Infekt ein und weder die Optimierung der Haltungsbedingungen noch irgendeine schulmedizinische oder alternative Behandlung hat sie im Laufe der Zeit dauerhaft von ihren Husten- und Atemnotattacken  befreien können.

Mehrfach standen wir kurz davor sie einschläfern zu lassen, weil keine Behandlung irgendeine Erleichterung brachte. In den Phasen, in denen es ihr gut ging ist sie trotzdem geritten worden und war ein angenehmes zuverlässiges Reitpferd. Nach dem letzten Krankheitsschub im Jahr 2009 ist sie nicht wieder antrainiert worden.                                            



Neben einem erheblichen finanziellen Aufwand belasteten Ohnmacht und Verzweiflung wenn sich trotz allen Aufgebots an Tierärzten und Tierheilpraktikern nebst der medikamentellen Materialschlacht kein Behandlungserfolg einstellen wollte. Und das bei Krankheitssymptomen, die beim Menschen in der Regel doch gut einstellbar und beherschbar sind.  Aus Erfahrung klug geworden, wird Sirrah mittlerweile beim kleinsten Huster oder verdächtigen kurzen Abschnaubern sofort mit schleimlösenden Mitteln versorgt. Der akupunktierende Tierarzt wird auch gleich an die Front berufen. Zeitweise wurde sie begleitend 1 x im Jahr von einer Tierheilpraktikerin mittels Radionik betreut. Wir hoffen, sie auf diese Weise noch ein Weilchen bei uns haben zu dürfen.

Bei der Haltung achten wir auf frische Luft und ein  reizarmes und staubfreies Umfeld. Sirrah und ihr Stallgefährte stehen auf Späneeinstreu. Das Heu wird nur gut nass verfüttert, Sirrah bekam auch ihr Freßstroh mit einem Eimer Wasser übergossen. Mittlerweile füttern wir gar kein Stroh mehr zu. Sie hat die Möglichkeit, sich auf einem Auslauf von 1000 m² frei zu bewegen oder in den Stall zu stellen. Weidegang täglich aber auf ein paar Stunden begrenzt. Geritten wird sie nicht mehr. Das bisschen Longe oder Spazierengehen was noch mit ihr praktiziert wird, kann man nicht als Arbeit bezeichnen aber sie freut sich auch über diese Art der Zuwendung.
   

COPD / COB - RAO

COPD ist in der Humanmedizin ein Sammelbegriff für unterschiedlichste Lungenerkrankungen. Und COB beim Menschen ist eigentlich immer mit dem Gedanken "Raucherlunge" vergesellschaftet. Da Pferde selten rauchen, trifft das den Kern der Erkrankung nicht. Man hat daher beim Pferd andere Bezeichnungen eingeführt: RAO = Recurrent Airway Obstruktion und IAD = Inflammatory Airway Desease (Bronchiolitis). 
                                                 
Wie man es auch nennen mag:  die Erkrankung ist gekennzeichnet durch Entzündung und starke Verschleimung der Atemwege sowie einer Verkrampfung der Bronchialmuskulatur. Husten, und/oder Kurzatmigkeit bis hin zur Atemnot sind die Symptome in schweren oder fortgeschrittenen Fällen.
Der nachfolgende Text veranschaulicht deutlich und leichtverständlich die Vorgänge, die sich in der Lunge abspielen


"Atemwegserkrankungen umfassend behandeln"
 Artikel aus dem "Quarter Horse Journal" 
 Verfasser unbekannt

Allergien sind die häufigste Ursache
"Viele Menschen werden immer wieder von erkältungsbedingtem Husten geplagt. Daher nehmen sie auch die Atemwegserkrankungen ihres Pferdes nicht ernst. Das ist ein folgenschwerer Fehler: Denn Pferdehusten ist ein stiller Killer - und eine häufige Ursache für Reituntauglichkeit und vorzeitiges Einschläfern.

Husten hat viele Ursachen
Husten ist das auffälligste Symptom für Erkrankungen der Atemwege. Gerne bagatellisieren Reiter und Pferdehalter ein leichtes Husten als „Anstoßen“ und halten es für nicht behandlungsbedürftig. In vielen Fällen aber entwickelt sich daraus ein chronisches Atemwegsleiden. Diese Erkrankungen schränken die Leistungsfähigkeit des Pferdes bald immer stärker ein. Am Ende stehen die gefürchtete Dämpfigkeit und der Tod. Dieses Schicksal ließe sich vielen Pferdepatienten ersparen: durch praxisgerechte Prophylaxe, eine ganzheitliche moderne Therapie und konsequente Begleitmaßnahmen. Der erste Schritt ist dabei immer, gemeinsam mit dem Tierarzt nach den möglichen Ursachen zu forschen:

-  Virusinfektionen der Atemwege
-  Allergien auf Pilzsporen (Vermehrungsformen der Pilze) aus Heu- und      
   Strohstaub sowie Blütenpollen
-  Haltungsfehler: starke Staubentwicklung, hohe Luftfeuchtigkeit,            
   Schadgase (Ammoniak, Schwefelwasserstoff), Bewegungsmangel
-  unspezifische Überempfindlichkeit
-  Bakterien und Parasiten
-  Erkrankungen des Kehlkopfes

Diese Ursachen bedingen sich oft gegenseitig: Haltungsmängel beispielsweise leisten Virusinfektionen Vorschub. Diese wiederum erleichtern eine Allergisierung des Pferdes gegen Staub. Daraus kann dann eine chronische Erkrankung entstehen. Die weitaus häufigste Ursache unter Praxisbedingungen ist jedoch die Allergisierung auf pilzsporenhaltigen Staub. Deren Folgeschäden stehen im direkten Zusammenhang  mit den krankheitsbedingten Veränderungen im Atmungstrakt des Pferdes.

Erhöhte Schleimproduktion
In den gesunden Atmungswegen liegen dünnflüssiger und zähflüssiger Bronchialschleim in einem bestimmten Mengenverhältnis auf der gesamten Schleimhaut und schützt diese gegen Staub, Allergene, Viren und Bakterien. Außerdem gibt es auf der Schleimhaut viele kleine Flimmerhaare (Zilien). Diese ragen in den Schleim hinein und vollziehen - wie ein wogendes Kornfeld - eine dauernde wippende Bewegung im gleichen Takt. Damit befördern sie den Schleim mitsamt anhaftender Fremdstoffe wie auf einem Endlos-Förderband aus den Atemwegen hinaus. Diesen Prozess nennt man „mukoziliäre Clearance“, also die Reinigung der Atemwege durch natürlichen Schleim und Flimmerhaare.
Typisch für viele Hustenerkrankungen ist nun eine überschießende Produktion von Bronchialschleim. Zusätzlich verändert sich der vormals gesunde Schleim in seiner Zusammensetzung: Er wird  immer zäher und fester. Diesen zähen Teppich können die Flimmerhaare nicht mehr bewegen. Er bleibt in den Atemwegen liegen und verstopft diese immer mehr. Der Reinigungsmechanismus der Atemwege kommt dann zum Erliegen, die Bekämpfung der eingedrungenen Krankheitserreger ist dem Körper kaum noch möglich; außerdem kann das Pferd schlechter atmen und hustet immer wieder, um die zähen Schleimpfropfen zu entfernen.
Zusätzlicher Schaden: Die gesunden Lungenbläschen werden durch einen oberflächenaktiven Sekretfilm (Surfactant) geschützt. Er enthält spezielle Fresszellen der körpereigenen Abwehr (Makrophagen).
Diese können Bakterien, Viren und andere Fremdkörper aufnehmen und verdauen. Im Krankheitsfalle wird auch dieser schützende Surfactant in zu geringer Menge produziert und mindert die Abwehrkraft der Atemwege.

Angstauslösende Bronchialkrämpfe
Neben der bereits besprochenen übermäßigen Schleimproduktion ist das zweite Hauptrisiko der meisten Atemwegserkrankungen beim Pferd die gefährliche Verkrampfung der Atemwege, die als Bronchospasmus bezeichnet wird. Der Bronchospasmus wirkt sich besonders in dem Bereich kurz vor den Lungenbläschen aus und führt hier zu einem verhängnisvollen Ventileffekt: Die Atemluft kann zwar gerade eben noch während der Einatmung in das Lungenbläschen gelangen, nicht aber mehr während der Ausatmung vollständig heraus. Sie staut sich auf und überdehnt das Bläs-chen ballonartig mehr und mehr. Bereits dann setzt beim Pferd eine ständig zunehmende, als beängstigend empfundene Atemnot ein. Erfolgt nicht spätestens jetzt eine schnelle und effektive Therapie, reißen große Mengen der überdehnten Bläschen ein. Dann sind sie unheilbar zerstört und können auch nicht mehr regeneriert werden. Betrifft dies  größere Areale des Lungengewebes, spricht man von „Dämpfigkeit“ - und das Pferd muss fast immer getötet werden. Der Bronchospasmus ist eine Überempfindlichkeitsreaktion, die überwiegend durch allergene Komponenten im Krankheitsgeschehen hervorgerufen wird.

Ursachen bekämpfen
Die allergisierende Wirkung von pilzsporenhaltigem Staub in geschlossenen Ställen ist die häufigste und gefährlichste Dauerbelastung für die Pferdelunge. Entsprechend sieht eine effektive Prophylaxe aus:

-  Haltung im Offenstall mit Auslauf oder zumindest in einer nach            
   vorne offenen Reihenbox mit Paddock-
-  Verwendung von Heu und Stroh bester Qualität
-  Nahezu tägliches ruhiges Ausdauertraining im fleißigen Schritt und
   langsamen Trab bzw. Galopp fördert die Selbstreinigung der Lunge
-  Staubige Reitbahnen und Kehren der Stallgasse in Anwesenheit der Pferde
   vermeiden

Bei großen oder oft wechselnden Beständen oder häufigen Veranstaltungen und Reisen mit Kontakt zu fremden Pferden: Impfschutz des gesamten Bestandes gegen Influenza und am besten auch gegen Herpesviren (Bei Teilnahme an Turnieren besteht eine Impfpflicht gegen Influenza!) Wenn Pferde trotz guter Prophylaxe unter chronischem Husten leiden, dann muss eine konsequente staubarme Haltung eingeführt werden:

-  Heu nass verfüttern oder durch Heulage ersetzen
-  Auch Stroh nur noch nass verfüttern. Heu und Stroh müssen richtig in  
   Wasser getaucht werden, um den Staub komplett zu binden. Ein bloßes
   Anfeuchten ist nicht ausreichend; ein stundenlanges Einweichen ist 
   dagegen nicht erforderlich.
-  Stroheinstreu gegen solche aus Hobelspänen oder Hanffasern           
   eintauschen
-  Das Pferd vom Luftraum her von konventionell gehaltenen Tieren           
   trennen: keine gemeinsamen Boxenställe, kein trockenes Heu und Stroh
   in den Nachbarboxen Diese staubarme Haltung ist langfristig die einzige
   Möglichkeit, das Pferd durch Isolierung von den allergieauslösenden
   Stäuben gesund zu erhalten.

Moderne polypragmatische Therapie
Die medikamentöse Therapie bei Pferdehusten sollte sich - wie auch in der modernen Humanmedizin - auf mehrere Maßnahmen stützen. Diese Strategie ist leicht nachvollziehbar: Statt einzelne Medikamente in Höchstdosen zu verwenden, benutzt man möglichst viele Ansatzpunkte gleichzeitig, um den therapeutischen Effekt zu verbessern und die Nebenwirkungen zu verringern. Man spricht daher von der polypragmatischen Therapie. Für die Behandlung von Pferden ergeben sich unter diesem Aspekt vor allem folgende Therapieziele:

-  zähen Schleim verflüssigen
-  Schleim lösen und seinen Abtransport fördern
-  Übererregbarkeit der Atemwege dämpfen
-  Bronchien entkrampfen
-  Surfactantschicht stärken
-  Entzündung bekämpfen
-  körpereigene Abwehr stimulieren
-  Reizung durch Staub vermeiden

Zur Schleimlösung eignet sich der Wirkstoff Dembrexin. Er wird veterinärmedizinisch für Pferde in dem Produkt Sputolysin® nach tierärztlicher Anweisung eingesetzt. Auch das Acetylcystein - abgekürzt ACC - kann dafür benutzt werden (Equimucin®). Während einige Patienten gut auf ACC ansprechen, ist für andere der Wirkstoff Dembrexin im Sputolysin® besser geeignet. Sputolysin® bietet zudem den Vorteil, dass es zusätzlich die Bildung des alveolenschützenden Surfactant fördert, die Schleimproduktion generell verflüssigt und die lokale Konzentration von Immunzellen im Bronchialschleim erhöht. Wird ACC zusammen mit oral verabreichten Antibiotika angewendet, sollte man die Verabreichung des ACC zeitlich von deren Gabe trennen. Beim Sputolysin® hingegen besteht diese Wechselwirkung nicht; es erhöht im Gegenteil sogar auf positive Weise die Konzentration von Antibiotika im Lungengewebe und im Bronchialsekret. Die Wirkung von Sputolysin setzt in der Regel schon nach wenigen Tagen ein, und die Behandlung sollte bis zum vollständigen Abklingen der Symptome über ca. 14 Tage fortgesetzt werden.
Bei hochgradig verschleimten Pferden ist es sinnvoll, beide Medikamente miteinander zu kombinieren, um einen optimalen Effekt zu erreichen. Es ist auffällig, dass gerade chronisch hustende Pferde im Ruhezustand oftmals keinen oder nur wenig Nasenausfluss zeigen. Das kann zwei Gründe haben. Entweder ist der Schleim so fest und zäh, dass er nicht von selbst abgeht. Oder aber das Pferd leidet unter einer überwiegend trocken entzündeten Atemwegsschleimhaut. In beiden Fällen ist die Gabe von Schleimlösern effektiv und sinnvoll, um die Sekretausscheidung zu beschleunigen und die Atemwege zu beruhigen.

Schleimlösende Medikamente: Was sollten sie leisten?
Der ideale Schleimlöser kombiniert verschiedene Wirkmechanismen:

-  Lösung des vorhandenen zähen Schleims und Verflüssigung von neu 
   gebildetem Schleim: erleichtert das
   Abhusten der  Bronchialsekrete.
-  Surfactant-Stimulierung: wichtig für die Selbstreinigungs-Funktion
   der tiefen Atemwege.
-  Potenzierung der Antibiotikawirkung: verbessert die Aktivität des  
   Antibiotikums in der Lunge.
-  Erhöhung der Immunglobuline im Bronchialsekret: optimiert die             
   körpereigene Abwehr.

Zeitgleich mit der Schleimlösung sollte ein eventuell vorhandener Bronchospasmus behoben werden. Für Pferde ist dazu der Wirkstoff Clenbuterol zugelassen (Ventipulmin®), den man ebenfalls oral als Granulat oder Gel nach tierärztlicher Verordnung verabreichen kann. Er ermöglicht dem Pferd eine Weitstellung der Atemwege; die Atemluft kann dann wieder frei fließen, der vorhandene - und durch medikamentöse Hilfe verflüssigte - Schleim wird leichter abtransportiert oder ausgehustet. Das Kombinationsprodukt Venti-Plus® zum Beispiel enthält sowohl

Dembrexin als auch Clenbuterol.
Als dritter Therapiebestandteil sind in manchen Fällen Kortikoide erforderlich. Diese kortisonartigen Stoffe haben ausgeprägt entzündungshemmende und antiallergische  Eigenschaften. Daher sind sie immer dann angezeigt, wenn die allergische Komponente bei der Atemwegserkrankung besonders stark ausgeprägt ist und zu einer gefährlichen Schweratmigkeit führt. Kortikoide werden dem Pferd vom Tierarzt injiziert. Je nach Wirkung führt er diese Therapie mehr oder weniger lange fort. Eine antibiotische Behandlung ist bei Atemwegserkrankungen nur in den selteneren Fällen erforderlich, in denen nachweislich Bakterien am Krankheitsgeschehen beteiligt sind. Zur Unterstützung, aber nicht als Ersatz der medikamentellen Therapie, eignen sich wohltuende Kräuterpräparate bzw. entsprechende Ergänzungsfuttermittel. In Absprache mit dem Tierarzt sollte ein Bewegungsprogramm die medikamentöse Therapie ergänzen. Denn die vermehrte Belüftung und Durchblutung der Lunge unterstützt eine Normalisierung der Funktionen. Weil falsche und frühzeitige Belastung aber auch äußerst schädlich sein kann, darf der Pferdehalter hier jedoch niemals eigenmächtig entscheiden. Eine große Mitverantwortung für den Behandlungserfolg trägt schließlich der Pferdehalter: Ohne die konsequente staubarme Fütterung und Haltung, als wesentlicher Bestandteil des ganzheitlichen Therapieansatzes, ist in vielen Fällen keine dauerhafte Heilung der Atemwegserkrankung möglich."



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